Garden Wars.


Man sagt, der Gärtner sei immer der Mörder. Nur fast richtig, bald ist der Gärtner das Opfer. Seit mehreren Monaten führe ich eine Privatfehde mit unserem Gartenbeauftragten.

Als wir nach Shanghai zogen, wollten wir alles, nur eines nicht: in einem Compound leben. Am Ende der Welt mit vielen anderen Expats, um sich dann mit Deutschen in China darüber zu beschweren, daß China nicht Deutschland ist. Furchtbar. Leider ist die Auswahl in Shanghai begrenzt, wenn man wie wir sechs Haustiere sein eigen nennt (ein anderes, ebenfalls ergiebiges Thema – dazu später).

In der Theorie ist alles einfach fantastisch: unser wirklich wundervolles Haus, das wir uns in dieser Größe und Ausstattung in Deutschland sicher nicht leisten könnten, kommt im Paket mit der Nutzung des Gyms, zweier Pools, sehr fleißigen (wenn auch völlig unnötigen) Wachpatrouillen und jemandem, der sich regelmäßig darum kümmert, daß der eigene Garten in nichts einer englischen Gartenschau nachsteht. In der Theorie.

Die Praxis ist ein Krieg, bei dem ich jede Schlacht verliere. Unser Garten sieht nach einem Jahr noch immer aus, wie ein mongolischer Truppenübungsplatz. Im Grunde nicht mal schlimm, ich mag Gartenarbeit. Gartenarbeit ist nach Segeln und Brühen auskochen mit das Entspannendste, was ich kenne (auch wenn meine Frau sehr darüber schmunzeln muss). Sie lassen mich aber nicht.

Akt 1: ich will mehr Grün, also Gras.

In Shanghai leben weit über 20 Mio Menschen. Es ist eine der wenigen globalen Megastädte. Hier wird der Transrapid wirklich genutzt. Trotzdem finde ich ums Verrecken weder ein Gartencenter noch Grassamen. Es gibt sie todsicher irgendwo, ich stelle mich aber wohl zu dusselig an. Also lasse ich es den Repräsentanten unseres Landlords wissen, der meine Bitte wie immer (im Übrigen meistens resultatfolgend) mit „No Problem“ quittiert. Am nächsten Tag kommt jemand mit 10 kg Grassamen und verteilt sie auf dem Lehmboden. Dann kommt er drei Wochen später wieder und wässert alles so lange, bis wir eine zünftige Moorlandschaft unser eigen nennen. Natürlich wächst nichts. Zudem hat die Flut einen Teil der vorhandenen Grünfläche vernichtet.

Akt 2: ich will wenigstens das Grün erhalten.

Man wird hier wirklich geduldig und genügsam. Ich hätte es ja auch besser wissen müssen. Eine gute Freundin und erwiesene China-Expertin hatte uns ein Mantra eingebläut, um China genießen zu können: “Es ist einfach so.”. Bis dato sind wir damit auch ganz gut gefahren, ich gebe also meinen Wunsch auf und wertschätze, was wir haben: einen stellenweisen ganz netten Garten, der eben nicht ganz so grün ist.Auftritt Gärtner. Als wir einen schönen Tages aus der Stadt zurückkommen, hat er aus dem wundervollen, großen und vor allem blickdichten Bambusbusch einen Bonsai gemacht. Statt zwei Meter Bambus sehen wir die Betonmauer vom Nachbarn. Bambus wächst schnell, vielleicht ist es im Mai ja schon wieder ganz ok. Trotzdem kommen mir Gedanken an Elektrozäune und Bärenfallen.

Akt 3: ich will doch nur ein bisschen Grün.

Unsere Nachbarn haben bauen lassen. Nach nur vier Wochen Presslufthämmern und Baggern vor der Tür (in Deutschland hätte das todsicher drei Monate gedauert), schauen wir nun neidvoll in den Nachbargarten auf einen hübschen Pool. Ich habe noch eine nette Geschichte von Dieter Nuhr im Gedächtnis:

Kappuzineräffchen freuen sich wie verrückt über Gurkenscheibchen. Glücklich und zufrieden über diese Delikatesse. Gibt man jedoch einem Äffchen eine Weintraube und die anderen bleiben bei Gurken, gibt es Unruhe. Wer will schon eine Gurke, wenn man eine Traube haben kann.

Fühle mich wie Äffchen mit Gurke. Will auch einen Pool. Evolution ist zum Kotzen manchmal.

Egal: im Verlauf der Bauarbeiten hat man den kleinen Bambuswald unseres Nachbarn durch eine schicke weisse Wand ersetzt. Nun ist die andere Seite unseres Gartens ebenfalls Plattenbau. Die zweite Betonwand. Licht am Ende des Tunnels: Bambus ist zäh – kleine Triebe sprießen zu unserer Seite durch. Ich gieße sie regelmäßig, päpple sie hoch und habe ein Zutrittsverbot zu unserem Garten ausgesprochen. Nur für den Gärtner.

Gestern morgen hat er den Bambus komplett entfernt. Er scheint früh mit der Arbeit zu beginnen, um 7.30 war es schon zu spät.

Anreiz genug, endlich mehr chinesisch zu lernen. Brauche nur wenige Sätze zu lernen und ab sechs auf der Lauer zu sitzen: “Fass noch ein Blatt hier an, Gärtner und sie tragen dich mit den Füßen voran raus.”

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