Küchen aller Länder, bleibt in Shanghai.


Ich liebe Essen. Ob Fastfood oder Michelin-gekrönt, gutes Essen macht einfach Spaß. Weil Dumplings deutlich lustiger als Sit-Ups sind, werde ich Shanghai wahrscheinlich als Dickerchen verlassen, aber das ist ein anderes Thema.

Bevor wir hierherkamen haben wir viel gelesen und gehört: „Authentische Chinesische Küche wird euch umhauen.“, „An jedem Straßenstand eine Köstlichkeit.“, „Kranke Sachen essen die.“. Alles Quatsch. Fast alles.

  1. Vielfalt
    Was Shanghai zum Paradies macht, ist daß es hier wirklich ALLES gibt. 50.000 Restaurants (kein Witz) in der Stadt sorgen dafür, daß selbst wenn mir der Sinn nach rumänischer Hausmannskost oder bolivianischer Edelküche stünde, es hier todsicher ein Restaurant dafür gibt. Klar hat jedes Dorf in Deutschland einen Italiener, Frankfurt auch einige Thais und sicher auch ein paar Exoten, aber gegen die Vielfalt hier, können europäische Städte einpacken. Ja, das gilt auch für Dich, London.
  2. Qualität
    Wir sind jetzt ein Jahr in Shanghai und gehen etwa 2-3 mal die Woche Essen. Nicht weil wir faule Snobs wären, sondern weil es preislich kaum einen Unterschied macht – und einfach großartig ist. Von also geschätzten 150 Restaurantbesuchen waren nur drei wirklich schlecht. In Deutschland hatten wir teils mehr miese Restaurants in einer Woche als hier in einem Jahr. Gut, dafür gibt es in Deutschland auch keinen Begriff für „sich eine Woche lang nicht weiter als 50m von einer Toilette bewegen können“. Hier schon. Zu recht. Man kann nicht alles haben.
  3. Preis
    Wahrscheinlich ist das Deutsche in einem tiefer verwurzelt als man denkt. Geiz und Preisjagd sind mir fremd (wahrscheinlich habe ich deshalb auch noch keinen Porsche. Fuck.), aber hier wird man sofort zum jubelnden Kleinbürger, wenn es an das Bezahlen der Rechnung geht. Köstliche Dumplings zum Lunch? 5 Yuan (50 cent), Dinner im Szechuan Restaurant um die Ecke zu sechst mit zwölf Gerichten und viel zu vielen Drinks? 700 Yuan (70 Euro). Noch dazu ist Trinkgeld eher Beleidigung als Anerkennung. Ich sollte mal Butterfahrten organisieren.

Ok, manche Gerichte sind etwas, hm, ungewohnt. Hund werde ich nie essen, noch lebendig-zuckendes Meeresgetier ist widerlich (und nicht gerade nett) und es gibt einiges, bei dem man als Durchschnittseuropäer eher „Urgh!“ als „Ah!“ denkt.
Dafür sind Ochsenfrosch-Fondue, Gehobelte Hühnerfüße und Quallensalat leckerer als man denken sollte. Wenn auch nicht sehr viel. Das besserwisserischere „Chinesische Küche in Deutschland hat nichts mit China zu tun.“ – stimmt leider. Auch wenn nicht alles wirklich köstlich ist, nur weil es authentisch ist. Kurze (wenn auch sehr subjektive) Erkenntnisse:

Kantonesisch ist entweder zum Niederknien köstlich oder in anderer Form zum knien. Gut für Einsteiger: Crystal Jade (große, leicht klinische Restaurantkette). Weniger gut: Essen, das noch zu lebendig ist, Essen das einen anglotzt und Essen, das sonst in keinem Teil der Welt als Essen gilt. Für alle, die China erleben wollen.

Shanghainesisch ist süß und ölig. Und süß. Für alle, die Pfannkuchen mit Spiegelei und Sirup lustig, aber noch nicht ungesund genug fanden.

Szechuan ist nicht scharf. Wirklich nicht. Dafür schmeißen sie an alles einen bestimmten Pfeffer, der nach Seife schmeckt und die Zunge betäubt. Für alle, die auch gerne Geldmünzen lutschen.

Hunan ist meistens viel Gemüse und viel Chili und weniger Öl. Sehr lecker. Für alle, die beim Thai nicht weinen.

Im Allgemeinen sagt man, China habe acht unterschiedliche Regionalküchen mit unendlich vielen Untervariationen. Mag sein, so groß sind die Unterschiede aber auch nicht. Das meiste ist doch sehr, sehr ähnlich. Aber ich finde auch, daß Thüringer und Nürnberger im Grunde nur eines sind: Bratwurst. Vielleicht gehen mir auch einfach Feinheiten ab.

Ach ja, bevor ich es vergesse – eine Erkenntnis fehlt noch: Straßenstände sind in Shanghai weniger sicher und hygienisch als z.b. in Singapur oder Bangkok. Muss man sich trauen, angeblich sind manche lecker. Und nein, im Lammspieß für 2 Yuan (20 cent) ist kein Lamm. Auch kein Schwein. Wer raten kann, wie man Fleisch billigst bekommt und warum alles so stark gewürzt ist, weiss auch was es wahrscheinlich ist.

Trotzdem. Shanghai ist kulinarisch unschlagbar, wirklich.

Meine Top 5 in Shanghai:

  1. Lost Heaven
    Yunnan Küche aus dem Südwesten Chinas, ein wenig wie Thailändisch mit milder Depression.
  2. Din Tai Fung
    Dumpling-Götter aus Taiwan. Michelin-Stern im Essen, nicht auf der Rechnung.
  3. Qimin Organic Hotpot
    Chinesisches Fondue und grandioses Winteressen.
  4. Hikari
    Sushi in lustig und köstlich. Foie Gras und Aal begegnen sich sonst nicht in vielen Gerichten.
  5. Yang´s Fried Dumplings
    Ewig Anstehen, kein Wort verstehen, Handgemenge am Nebentisch, unmöglich mit Würde zu essen, aber: gran-di-os.

Fazit: wenn es ums Essen geht, rockt Shanghai.

Din Tai Fung: Dumplings gefüllt mit Fleisch und Brühe

M1NT: Angeber Club erster Güte, aber das Essen ist großartig.

Qimin Organic Hotpot: Zwei Fonds zum Dinge reinwerfen.

Quallensalat: knatschig aber gar nicht mal unlecker.

South Beauty

Ohne Kopf ist extra.

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