Echt jetzt?


In China gibt es viele Fakes. Ach was. Allgemeinwissen und nicht weiter verwunderlich. Hier wird ohnehin alles produziert, was rund um den Globus verkauft wird. Gepaart mit dem unnachahmlichen Geschäftssinn der Chinesen ist es kein Wunder, daß es hier auch einfach die meisten Fakes gibt. Arbeit ist billig und die Maschinen sind ja eh da.

Bevor wir nach China kamen, hatte ich beim Stichwort „Fake-Produkte“ eigentlich nur die üblichen Verdächtigen im Sinn: ne schicke Rolex für 20 Euro oder was nettes von Lacaste oder Ormani. Gibt’s ja auch an jedem europäischen Urlaubsstrand. Kinderkram. Im Vergleich zu Chinas Kopierwut ist ein türkischer Basar ein Flagshipstore von Prada.

Natürlich gibt es auch hier große Marken für wenig Geld – und das in teilweise verblüffender Qualität. Es gibt sogar verschiedene Fake-Kategorien für Luxusuhren:

Kategorie C: Rolex & Co. für 100 Yuan (10 Euro). Sieht nach Uhr aus, sollte man aber nicht anfassen oder gar benutzen wollen.
Kategorie B: Luxus am Handgelenk für 500 Yuan. Sieht ziemlich echt aus und zeigt sogar die Zeit an.
Kategorie A: Fakes von Profis. Sind mit bis zu 3000 Yuan teurer als eine Swatch, kann aber eigentlich auch nur von Experten als Fake geoutet werden.

Uhren, Schuhe, Taschen, DVDs und Laserpointer in Kriegswaffenstärke, bekommt man hier alles in einer der diversen Fake-Markets. Meist eine Ansammlung von 150-200 kleinen Shops die alle die gleichen Produkte verkaufen. Nicht die selben. Die gleichen. Einkaufen im Fake-Market kann richtig Spaß machen – so lange man Gewusel, Gezerre und Feilscherei etwas abgewinnen kann. Für einfache Sachen lohnt es sich. Chucks kriegt man sonst nicht für sieben Euro und halten sogar länger als meine Originale. Was man jedoch beherrschen sollte, ist feilschen. Ich kann es null. Ich bezahle entweder doppelt so viel wie alle anderen oder werde aus dem Laden geworfen, weil ich zu unverschämt eingestiegen bin. Dafür ist meine Frau Großmeisterin im Feilschen – mit einem zuckersüßen Lächeln und eiskalter Freundlichkeit kriegt sie mittlerweile bessere Preise als Einheimische. Das nächste Auto kauft sie.

Leider werden sonst eigentlich ganz freundliche Händler zu Laowai-zerfleischenden Bestien, wenn sie mitkriegen daß man fotografiert. Fotos also aus anderen Quellen.

Fakeville Central. (Quelle: http://www.thatsmandarin.com)

Außer den zu erwartenden Marken, gibt es zudem noch wundervolle Schmuckstücke chinesischen Einfallsreichtums und Handfertigkeit:

Ein Blockberry. Schuhe von Ray Ban. Und natürlich Apple. Gäbe es Apple nicht, müsste die Hälfte der Fake-Markets wahrscheinlich dicht machen. Hier gibt es Produkte, die den Kaliforniern noch was vormachen:

Mini iPhone (Quelle: http://www.bridgat.com)

Maxi iPad. Natürlich "Original Product. Good price!". (Quelle: http://www.chinadaily.com)

Ein Land auf der Aufholjagd und Überholspur gibt sich damit natürlich nicht zufrieden. In die weltweiten Zeitungen hat es der komplett gefälschte Apple-Store in Kunming ja schon geschafft. Erst hier vor Ort aber, begreife ich allmählich die Dimension von Fälschungen. Es gibt nichts, wirklich NICHTS, was nicht gefälscht wird:

  • Kürzlich wurde ein Händler festgenommen, der Erbsen gefälscht hat. Erbsen! Sojabohnen mit billiger und vor allem giftiger grüner Lackierung.
  • Chateau Lafite ist hier der Wein der Wahl, wenn man richtig beeindrucken will. Ultimativer Gesichtsgewinn. In China werden in einem Jahr mehr Flaschen verkauft, als das Chateau in zehn Jahren produziert.
  • Weltweit gibt es sieben Harry Potter Romane. In China gibt es elf.

Ein potenzieller Absatzmarkt von 1,3 Milliarden Menschen ist wohl einfach zu verlockend. Nur für einen Yuan (10ct) an jeden zehnten etwas verscherbelt und es reicht immer noch zum absurd reich werden.

Muss nun los. Äppler gibt es hier nicht – eine Marktlücke die nach Befriedigung und Fakes schreit.

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