Heiter bis lockig.


Zum Friseur zu gehen war für mich schon in Deutschland ein Unterfangen mit eher zufälligem Ausgang. Meistens sehe ich nach einem Friseurbesuch aus wie ein 15-jähriger mit ungesundem Lebenswandel. Und das in dem Land meiner Muttersprache, in dem ich artikulieren konnte was ich will – hier kann ich es nicht.

Erschwerend hinzu kommt, daß man hier erst mal einen Friseur finden muss. Nicht, daß es an Angeboten mangeln würde – in jeder Straße Shanghais gibt es mindestens zwei Läden, die professionelle Haarpflege anbieten. Vorgeblich.
Offiziell gibt es in China keine Prostitution. Inoffiziell ist es deutlich leichter einen Blowjob zu bekommen, als eine Flasche Mineralwasser mit Kohlensäure. Die meisten der in diesem Gewerbe arbeitenden Damen bieten ihre Dienste in Spas an. Oder eben Friseursalons.

Vor unserem Compound gibt es ein ebensolches „Spa“. Nach Ansicht meiner Expat-Kollegen muss man dort wahrscheinlich extra bezahlen um kein Extra zu bekommen.
In jedem Fall gab man mir zwei Tipps mit auf den Weg:

  1. auf die Farbe der Barber Poles achten. Ich hatte mich eh schon immer gefragt, wie diese sich drehenden Dinger vor Friseuren wohl heissen.
    Schwarz: hier geht es um Haare. Farbig: hier geht es um „Entspannung“.
  2. auf das Geschlechterverhältnis achten.
    ein Mann, zwanzig Frauen: Lende
    zehn Männer, zehn Frauen: Haare

Erste Hürde habe ich so ausgestattet schnell genommen: zwei Minuten von meinem Office: ein scheinbar wirklicher Friseursalon.

Haare schneiden. Yay.

So weit so gut. Ich betrete den Laden und man setzt mich hin. Niemand spricht Englisch. Wozu auch, ich bin wahrscheinlich der erste nicht-chinesische Kunde seit Monaten. Man stellt mir Fragen, die ich nicht verstehe und natürlich auch nicht beantworten kann. Zeichensprache für „Schere“ versteht man auch in China, ein Teilerfolg: man drückt mir ein Menü in die Hand. Preise von 8 bis 100 Yuan. Leider kann ich nicht lesen wofür. Ich entscheide mich für das Mittelfeld und nehme etwas für 40 Yuan (4 Euro). Nun geht es los.

Erstmal gibt es Tee und ich werde in Plastik eingepackt. Als nächstes kommt ein Mädchen in Uniform und wäscht mir dir Haare. Ohne Wasser. Scheint auch zu gehen, irgendwann ist das Ergebnis ein sehr schaumiger Kopf. Danach führt sie mich dann zu einer Liege mit Waschbecken wo sie mich hinlegt, um den Schaum auszuwaschen.

Wieder zurück vor den Spiegel, jetzt werde ich massiert. Oder so ähnlich. Kopfhautmassagen gibt es ja auch in Deutschland, Schulter- und Rückenmassagen nicht. Genauso wenig wie Zerren an den Fingern bis die Gelenke knacken (scheint wohl gesund zu sein nach chinesischer Ansicht) und säubern der Ohren. Mein Chinesisch reicht nicht aus um ihr zu verstehen zu geben, daß sie das bitte lassen soll. Finde ich, hm, merkwürdig. Sie ist jedoch unbeirrbar und steckt mir Papierstäbchen ins Ohr.

Nun bin ich bereit fürs Haareschneiden. Wachablösung, ein Junge mit dem Schildchen „Hairdesigner“ (auf englisch!) stellt sich vor mich und erzählt mir irgendwas. Er sieht aus wie ein asiatischer Justin Bieber in zu großen Klamotten und zappelt um mich herum wie ein Kind mit ADS auf Koks. Das wird spannend.

Ich gebe ihm zu verstehen, daß ich zwei Zentimeter weniger möchte und zur Gewalttätigkeit neige, wenn es zu kurz wird. Er fängt an zu schneiden. Schnell ist er, nach 10 Minuten steht das Ergebnis. Und: super. Zumindest auch nicht schlechter als in Deutschland. Massage, Unterhaltung, Ergebnis und was zum Bloggen – und das für umgerechnet vier Euro. Geil.

Das nächste Mal schaue ich mal, was ich für 8 Yuan bekomme.

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3 Gedanken zu „Heiter bis lockig.

  1. Hallo, ich bin mal so frech und poste mal was auf der Seite. Sieht schick aus! Ich bin auch seit einige Zeit mit WordPress beschaeftigt verstehe aber noch nicht alle Funktionen. Dein Blog ist mir da immer eine grosse Anregung. Weitermachen!

  2. Wie Alle zu sagen scheinen: endgeiler Blog (und das sagt ein erwachsener Mensch!)…

    Für acht Yuan wird es wohl Sowas geben, wie „Mal mit dem Staubpinsel durchs Haar feudeln und ein halbes Glas Wasser“ oder so; von der 80-Yuan-Version würde ich vorsichtshalber absehen: Justin Bieber könnte schwul sein… (das meine ich nicht abwertend: Jeder ist, wie er ist…)
    Und bei 100 Yuan darf jeder der Angestellten einmal die Schere halten und drauflos schnippeln… vielleicht. Experimentalbarba… barbierei.

    Zwar habe ich mich bisher noch nicht durch Alle Beiträge wühlen können, doch freue ich mich über jeden Neuen!

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