Kontinentzwillinge.


Xin Nian Kuai Le! Oder: Frohes Neues! Nun endlich wieder nüchtern. Nach einem vollen Tag im Wachkoma und mehreren Tagen Rekonveleszenz, kann ich nun wieder geradeaus sehen und eine Tastatur bedienen ohne seekrank zu werden. Jedes Jahr wieder, meine Lernkurve ist sehr, sehr flach.

Einer von mehreren (wahrscheinlich aussichtslosen) Vorsätzen ist mehr zu bloggen. Ich bin gleichermaßen überrascht wie dankbar, daß ich dies alles nicht für mich alleine vor mich hin tippe. An dieser Stelle also: vielen Dank für alle, die dies tatsächlich lesen und die vielen netten (und erstaunlich positiven) Kommentare.

Dies war heute der erste Arbeitstag, alle entspannt, alles auf Neuanfang. Teil des Tages heute war ein nettes Essen mit Kollegen aus unterschiedlichen Ländern. China, England, Irland, Singapur, Malaysia, Schweden und Frankreich an einem Tisch. Europe meets Asia. Zudem waren alle ein wenig albern (wahrscheinlich Restalkohol). Ergebnis dessen war eine Diskussion, die wirklich amüsant war: welches Land tickt wie und welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Europa und Asien. Daher auch eigentlich kein Artikel über China. Ausser Konkurrenz.

Kurzes, völlig subjektives Ergebnis war ein Ländervergleich, der gleichermaßen erstaunlich wie politisch inkorrekt ist. Welches Land in Asien teilt Eigenschaften mit welchem Land in Europa. Heimliche Länderzwillinge:

  • Deutschland und…Japan
    Diszipliniert, gründlich und erfolgreich mit Landesprodukten in der ganzen Welt. Spießertum ist eine Tugend. Wenig, oder zumindest sehr eigener Humor. Im zweiten Weltkrieg in fast allen Nachbarländern eingefallen und wundern sich trotzdem, warum sie keiner mag. Ganz groß in Autos und Maschinen. Sprache, die sich wie eine Wutattacke anhört. Werden ungern an früher erinnert und lieben Hierarchien.
  • China und…Türkei
    Jahrtausende alte Hochkultur, haben der Menschheit Unzähliges beschert, aber die letzten hundert Jahre ein wenig hintendran. Derzeit auf der Überholspur mit erstaunlichem Wirtschaftswachstum und lassen andere Länder alt aussehen. Lieben Lärm und Blingbling. Reagieren patzig darauf, wenn sie darauf angesprochen werden, wie mit Minderheiten umgegangen wird. Botschafter der Kultur und Landesküche in aller Welt. Unfassbar freundlich und geschäftstüchtig. Halten Verkehrsregeln und technische Sicherheit für überbewertet.
  • Korea und…England
    Insel mit Anschluss, sind sich selbst genug im Grunde. Die logischste Sprache des Kontinents. Können nur zwei Gerichte, die dafür gut. Sehr auf Etikette und Regeln bedacht. Gefühlte Überlegenheit ohne es jemals zu sagen.
  • Singapur und…Schweiz
    Sicher, sauber, langweilig. Klein, aber sehr einflussreich. Sprechen keine wirklich eigene Sprache. Schön gelegen, wer hier arbeitet hat entweder einen guten Job oder arbeiten nicht mehr nötig. Lieben Einwanderer, so lange sie nicht vorhaben für immer zu bleiben.
  • Thailand und…Italien
    Die beste Küche des Kontinents. Immer gut drauf und permanent Sonne. Arm, aber sexy. Wer dort lebt, will eigentlich nicht mehr weg. Wahnsinnig stolz, werden aber selten ernstgenommen vom Rest der Welt. Instabile Regierung, mögen Unterhaltungen darüber jedoch wenig.

Wir hätten liebend gerne noch Zwillinge für Indonesien, Vietnam und andere gefunden, es fehlten jedoch (vermeintliche) Experten. Vorschläge sind willkommen.

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12 Gedanken zu „Kontinentzwillinge.

  1. Ich war letztes Jahr wieder für einen Monat in Vietnam und vermisse VN, generell Asien ganz arg.
    Deutsche sind wirklich ziemlich kühl, haben ’nen trockenen Humor, aber dafür immer sparsam und organisiert. haha!

    Vietnam hat viele Gemeinsamkeiten mit China, wie dem chaotischen Verkehr, hier: http://www.youtube.com/watch?v=oetF3UTIwbc
    Ich als deutschgeborene Viet kann evt. objektiver urteilen (meine Eltern sind da viel zu engstirnig und subjektiv…).
    Würde sagen, sie sind offen und sehr sehr gastfreundlich (wie in China wird der Gast beim Essen vollgefüttert und mit Alk. überschüttet). Sehen zwar nicht so aus, aber können auch ganz anders… wie man an China (vor 1500 Jahren), Frankreich, Japan und den USA gesehen hat. 😀
    Probleme übersieht man, man gibt sie nie zu (schon gar nicht, wenn die Jüngeren Recht haben!). Mit den Problemen befasst man sich auch nicht wirklich, versucht sie zu umgehen oder zu kaschieren, dass es nicht mehr ganz so schlimm aussieht. Erst wenn man richtig dick in der Scheiße hängt, fängt man sich langsam Gedanken zu machen. (Wirkt vllt. naiv, sind wir aber nicht). Wir sehen die Dinge nur viel viel gelassener, aber wir können auch zu cholerische Mistkerle mutieren.
    Wurde irgendwie schon oft darauf angesprochen, dass eine franz. Freundin von der Mentalität her mir sehr ähnelt und wir haben das dann schließlich auch festgestellt. Nur so nebenbei: Manche von denen schneiden tatsächlich die Pizza mit der Schere, für uns Viets ist das total normal (mit dem Messer dauert’s einfach zu lang). Wir tun so, als hätten wir es eilig, aber lassen uns massig Zeit bei allem. Wenn ich meiner Mutter sage, sie soll um 13.30 da sein, dann fährt sie um 13.30 los. Wenn Vietnamesen Geld haben, dann zeigen sie es. Aber mit Stil. Russen setzen eher auf dicke Logos und diesen neureichen – blingbling – Style, aber wir Viets sind auch ganz schön markengeil. Tragen es dennoch lieber dezent, ein Teil mit Logo – Monogram und der Rest schlicht gehalten. Franzosen finde ich in der Modehinsicht auch sehr dezent, klassisch und chic.
    Jetzt zur Frau selbst… wie muss sie aussehen? Bei beiden Ländern weiß ich, dass man auf zierliche, schlanke Frauen steht. Eine Heidi Klum ist bei uns nicht so der Renner, auch wenn sie ein Model ist. (Aber man würde sie trd toll finden, weil sie eine Europäerin ist, weil sie groß & weiß ist und Kohle hat). Mit einer deutschen 36/38 wird man in manchen Läden sogar als Übergröße eingestuft…
    Aber die franz. Mentalität hab ich noch nicht so unter die Lupe genommen… vllt sind die in andern Punkten widerum sehr anders im Vergleich zu uns Vietnamesen. Ich wohne nahe Strasbourg und weiß, dass viele Franzosen dort die Deutschen noch ziemlich ächten und sich z.T. vehement weigern ENglisch zu sprechen, wenn Touristen sie nach dem Weg fragen wollen (am eig. Leib erfahren!). Wir Viets dagegen versuchen die grausamen Kriege in der Vergangenheit zu vergessen oder zu verdrängen, wie auch immer. Wer heutzutage französisch spricht, wie mein Vater, genießt Bildung (stammt aus einem sehr armen Dorf…) und wird angesehen, ein Pluspunkt dazu sind Englischkenntnisse und ein Studium in Amerika. Hierzulande nehmen die Unternehmen sehr gerne ausländische Absolventen (vorallem aus Amerika). Vietamesen bewundern Amerikaner, Franzosen (einstige Staatsfeinde) und alle Menschen mit langen Nasen und weißer Haut. Die wissen, dass Europäer und Amerikaner reich(er) sind und eifern ihnen nach. Nur den Südvietnamesen gegenüber ist man noch geteilter Meinung. (Denn die haben uns ja sozusagen verraten, aus unserer Sicht…).

    Ein Zwillingsland konnte ich nicht nennen, aber ein wenig über uns erzählen.. 🙂

    • Finde ich fantastisch, vielen lieben Dank dafür! Vietnam steht jetzt auf meiner Reiseliste ganz weit oben – hatte ich mir ohnehin schon toll vorgestellt, jetzt habe ich um so mehr Lust, es zu entdecken.

  2. Juhu! Klar wird dein Blog gelesen. Bin über deine Frau hergekommen. Muss leider sagen du liegst vorne…weil ich komme aus Darmstadt und muss jetzt zwangsweise in Giessen leben. Aber darf auch immer wieder mal zurück und geniesse die Stadt und das lecker Essen bei Mama 😉
    Ich finde es unglaublich interessant was du schreibst. Teils grinsen teils lachend lese ich aber deutsch bleibt deutsch und da hilft auch China nicht.
    Maja

  3. Hallo,

    erstmal vielen Dank für deine erfrischenden Blogeinträge. Wie oft saß ich schon schmunzelnd vor meinem Laptop. Einfach toll.

    Nun zu diesem Eintrag. Als in Deutschland lebende Türkin, kann ich deinen Vergleich zu China nur zustimmen. Das türkische Volk stammt ursprünglich aus China. In Xinjiang leben noch immer Volksgruppen, die türkisch sprechen und ethnisch mit den Türkei Türken verwandt sind. Somit ist der Vergleich nicht allzu weit hergeholt und im Ergebnis richtig.

    Viele Grüße aus dem Schwabenland

    Y.

  4. Der Vergleich zwischen Singapur/Schweiz ist der Hammer 🙂 Bin zufällig über deine (wunderschöne) Frau auf deinen Blog gestossen – und muss mir nun seit etwa einer Stunde das lachen bei der Arbeit verkneifen (shame on me, während der Arbeit deinen Blog zu lesen!) – du schreibst echt witzig. Liebe Grüsse aus der Schweiz

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