I love SH #3


Jetzt, wo es wieder wärmer wird, bekommen wir wieder häufiger Besuch. Aber Hamburg hat wahrscheinlich auch nicht im Januar Hauptsaison. Gerade vor zwei Wochen erst, haben wir zwei sehr nette Abende mit Freunden aus Deutschland verbracht. Eine der ersten Fragen für Shanghai-Touristen ist meist: „Was sollte man sich denn alles ansehen?“

Auch nach 15 Minuten Überlegen und Diskussion, sind uns ums Verrecken nicht mehr als 3-4 Sehenswürdigkeiten eingefallen. Ausnahmsweise liegt das aber mal nicht an meiner Ignoranz, sondern an der Stadt. Eine Kurzumfrage unter unseren hiesigen Freunden ergab: Shanghai zieht mit 25 Mio Menschen sogar gegen Lübeck den kürzeren.

Bei jeder anderen Stadt dieser Größe fallen einem Tausende Hotspots ein. New York hat den Times Square, das Empire State Building, die Freiheitsstatue, das MoMA, SoHo, TriBeCa, Grand Central Station, Rockefeller Center, Ground Zero, Wall Street, das Guggenheim, Central Park, Fifth Avenue, usw. usw. Sogar in Darmstadt fallen mir aus dem Stand fünf sehenswürdige Plätze ein. In Darmstadt!

Shanghai ist da eher mau. Der Bund, klar. Die Skyline von Pudong samt Pearltower und SWFC. Yu Yuan Garten wenn man Menschenmassen liebt. Dazu noch Tian Zi Fang für das Chinafeeling und Nanjing Dong Lu als Therapie für Agoraphobiker. Peoples‘ Square mit einem Museum (für Stadtplanung!) und einer Oper – die sind aber auch schon deutlich weniger beeindruckend. Das war’s. Man kann im Grunde die Sehenswürdigkeiten der Stadt an einem Tag runterreißen, sofort wieder zurückfliegen und kann trotzdem behaupten, Shanghai gesehen zu haben. Trotzdem wäre es ein Jammer – die Stadt ist toll auch ohne DIE Highlights.

Einer meiner größten Lieblinge ist zu groß, um noch als Sehenswürdigkeit durchzugehen: die Former French Concession. Das, was heute Xuhui und Luwan ist, ist so mit das schönste, tollste und wundervollste was Shanghai zu bieten hat. Erstmal sieht es aus wie das uneheliche Kind von Paris und Peking. Viele kleine Straßen von Platanen umsäumt. Ein paar davon weniger klein und kilometerlang (Fuxing Lu). Tausende kleiner Läden, Restaurants, Bars, Boutiquen. Immer wuselig aber irgendwie nie wirklich nervig.

Hübsch. Wirklich. (Quelle: gochina.about.com)

Hübsch. Wirklich. (Quelle: gochina.about.com)

Ein perfekter Tag in Shanghai ist ein Tag mit Sonne, blauem Himmel und viel Zeit in der French Concession (wer in Shanghai niemanden beleidigen möchte, vergisst niemals den Zusatz „Former“). Mehr Lebensqualität ginge nur noch mit besserer Luft. Aber ich will nicht gierig sein.

Meine absoluten Lieblinge:

  1. Anfu Lu
    Allein schon wegen des genialen Dreigestirns Shanghaier Expat-Gastrononmie: Mr. Willis, Mi Thai und La Strada.  Zusätzlich ist die Anfu Lu einer der wenigen Straßen, auf denen es tatsächlich Straßencafés gibt.

    Für den Limonenkäsekuchen von Baker&Spice lohnt sich ein Mord. (Quelle: weavewithwords.blogspot.de)

  2. Wulumuqi Lu
    Direkt um die Ecke und der wildeste Mix aus Geschäften, den ich je gesehen habe. Nichts für Menschen, die die Stille lieben, es ist schon etwas….eng. Dafür findet man todsicher einen Laden, den man schon immer gesucht hat. Bei Expats beliebt: die Avocado Lady. Jeder, der hier länger lebt, kennt den kleinen Shop, in dem man wirklich nur Westler sieht. Die besten und günstigsten Avocados der Stadt sind nur ein Grund; Mozzarella, Rotwein, Basilikum, Olivenöl – der Wuselladen hat sich auf all das spezialisiert, was Laowais gerne essen und trinken wenn sie vergessen wollen in China zu leben.

    Oft der einzige Ort Shanghais mit einer erkennbaren Ladenschlange: die Avocado Lady (Quelle: shanghaiexpat.com)

  3. Tianzifang auf der Taikang Lu
    Kein wirklicher Geheimtipp und meistens bevölkert von Laowais auf Kurzbesuch in Shanghai. So authentisch wie Disney World, aber wen stört das schon. Es ist wirklich schön. Nette Restaurants, viele Galerien, draußen sitzen, klönen (und trinken). Eine Oase. Wenn auch keine stille. Mehr dazu weiß meine wundervolle Frau zu berichten.
  4. Donghu Lu
    Perfekter Platz für den Abend, wenn man vorhat sich maximal 50m zu bewegen. günstige Teppanyaki Restaurants en masse (wenn auch voller Betrunkener Westler), ein paar der nettesten Bars Shanghais (Monkey Lounge, Dakota, Constellation im die Ecke) und immer was los. Wenn nicht dort, wo man gerade ist, dann spätestens im Nachbarladen.

Shanghai braucht keine Sehenswürdigkeiten. Hat die Stadt gar nicht nötig. Ich hasse die Floskel zwar, aber hier passt sie ausnahmsweise mal: einfach mal treiben lassen. Lohnt sich.

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3 Gedanken zu „I love SH #3

  1. Ich war letztes Jahr 4 Wochen in China und habe mir Peking, Shanghai und HongKong angeschaut. Und ich kann dir nur zustimmen: kulturell gesehen ist Shanghai definitiv die schwächste Stadt der drei, aber abgesehen davon ist sie einfach wow! Überall ist was los, tausend kleine Straßen, Bars, Läden, junge Leute, Glitzer,…..

    Vielen Dank für die interessanten Beiträge! Ich hoffe dass ich irgendwann meine Firma doch noch überzeugen kann, mich als Expat dorthin zu schicken(großer deutscher Konzern, also ist die Idee an sich nicht ganz so abwegig :-)….dann werde ich definitiv auf die tollen Tipps von dir und deiner Frau zurückkommen 😉

  2. Former French Concession ist definitiv einer der schönsten Viertel, wenn nicht sogar das schönste Viertel in Shanghai. Da hätte ich stundenlang rumschlendern können.

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