Stadt der Versteckten.


Kinderspiele sind global. „Versteck spielen“, sehe ich hier oft und ist scheinbar oft einer der gemeinsamen Nenner der Kinder in unserem Compound. So ganz legt man hier den Geist des Spiels wohl nie ganz ab – ich kenne wenige Metropolen, die mehr im Verborgenen blühen als Shanghai. Die Stadt ist sehr gut im Verstecken von Dingen. Manches findet man ums Verrecken nicht, obwohl es ganz sicher an jeder Ecke zu haben sein muss. Grassamen zum Beispiel. Anderes wird absichtlich zur Rätseltour gemacht:

People 7 ist ein Restaurant mit nettem Essen, lauschiger Bar und der Obsession zum Verstecken: Eintritt wird nur dem gewährt, der die Lichter am Eingang in der richtigen Reihenfolge drückt; eine Chance die Toilette zu betreten bekommt nur der, der rausbekommt wie die Tür aufgeht (eigentlich simpel übrigens, wenn man gewarnt wurde).

People 7

Code zum Koma (Quelle: blog.chinatours.de)

Die Monkey Lounge ist einer unserer absoluten Lieblingsbars in Shanghai, versteckt sich aber auch lieber. Schild oder Eingangstür gibt es nicht. Man kommt entweder durch eine dunkle HIntergasse zwischen Müll und Ratten und muss ein Rätsel lösen oder benutzt gleich eine unscheinbarer Tür gegenüber den Toiletten IN einer anderen Bar. Zudem haben sie Humor – wir nennen zwei wunderbare kleine Aschenbecher unser eigen, auf denen auf der Rückseite „Impertinently Stolen from The Monkey Lounge, Donghu Rd. Shanghai“ zu lesen ist.

Den Fake-Market besuchen lohnt sich alleine schon wegen des Schauspiels, das die Händler veranstalten, wenn man nach wirklich gut gemachten Replikaten schweizerischen Uhrhandwerks fragt. Natürlich versteckt. Da werden Regale hochgeklappt, eine Klappe in der Wand geöffnet, die wiederum einen Türöffner für die Geheimtür enthält. Wer sich Mittwoch mittags in Shanghai mal ein bisschen wie James Bond fühlen will, sollte das wirklich mal versuchen. Die Uhren selbst lohnen sich wirklich nicht finde ich.

Die deutlich häufigere Variante des obsessiven Verstecken ist jedoch das zufällige Entdecken von tollen Dingen an Orten wo man sie wirklich nie vermutet hätte. Heute zum Beispiel waren wir auf der Suche nach etwas ganz anderem, als mir unvermutet mitten in einem der hässlicheren Compounds der Stadt, am Vorarsch der Welt in Gubei, ein Reformhaus begegnet ist. Zumindest etwas ähnliches – ein Laden für Vegetarier, die Wert auf Bioprodukte legen. Zugegeben, das ist hier auch eher ein Nischenmarkt, mehr als 8-9 potentielle Kunden kann es hier nicht geben. Mitten in einer Betonwüste mit dem treffenden Namen „Paris Garden“, umgeben von erstaunlich vielen Massage-Salons in denen man ganz sicher sehr, sehr viele Extras bekommt: Shanghais Alnatura.

Location, Location, Location.

Bio-Leinöl und Soja-Thunfisch in rauhen Mengen.

Sollte mich irgendwann mal das Verlangen nach vegetarischem Huhn oder Soja-Lamm packen, weiß ich wenigstens wo ich suchen müsste. Unwahrscheinlich, aber das habe ich von Quallensalat auch mal gesagt.

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